Guerilla-Gärtner

Blumiger Widerstand – von Guerilla Gardening zum urbanen Gärtnern

Die in den 1970er-Jahren in den USA als Protest gegen brachliegende städtische Flächen und Verwahrlosung entstandene Guerilla-Gardening-Bewegung erlebt seit ein paar Jahren ausgehend vom Briten Richard Reynolds ein Comeback.

Beim Guerilla-Gärtnern geht es darum, als Bürger die Initiative selbst in die Hand zu nehmen und trostlose Einöden auf öffentlichen Plätzen zu begrünen und zu verschönern. Da die Frage nach der Legalität solcher Aktionen inzwischen an Bedeutung verloren hat, verläuft der Übergang vom Guerilla zum Urbanen Gärtnern heute ziemlich nahtlos.

Zu den häufig in diesem Krieg verwendeten Waffen gehören die sogenannten Samenbomben – mit Erde ummantelte Samen, die auch bei schlechten Bedingungen gute Chancen haben, sich zu gesunden Pflanzen zu entwickeln.

Legal oder illegal?

Was früher noch bei Nacht-und-Nebel-Aktionen als Ausdruck zivilen Ungehorsams heimlich ablief, wird heute von den öffentlichen Organen nicht nur geduldet, sondern manchmal sogar aktiv gefördert. So geschehen in Limburg: Die Stadt verteilte in diesem Frühjahr anlässlich einer „Guerilla Gardening-Aktion" Tütchen mit Sonnenblumensamen und organisierte einen Wettbewerb, bei dem der interessanteste Standort und das schönste Foto prämiert werden (Einsendeschluss ist am 1. September 2016).

Etwas weniger legal dürfte die 2013 in Göttingen durchgeführte Aktion gewesen sein, bei der auf öffentlichen Grünflächen laut Bekennerschreiben mehrere Kilo Cannabissamen ausgesät wurden. Obwohl es sich dabei bei den meisten wohl um Pflanzen ohne den Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) gehandelt haben soll, mussten alle Hanfpflanzen von Mitarbeitern der Polizei und der Stadt geerntet und entsorgt werden. In diesem Fall ging es jedoch weniger darum, städtische Ödlandschaften aufzupeppen; Ziel war vielmehr ein Protest gegen die restriktive Drogenpolitik. (Spiegel Online vom 11.07.2013)

Interessant und bezeichnend für unsere moderne Gesetzgebung ist wohl die Tatsache, dass es vielerorts offenbar einfacher für die Stadtverwaltungen und Polizeibehörden ist, Guerilla Gardening stillschweigend zu dulden als eine offizielle Genehmigung für die Bewirtschaftung des öffentlichen Grunds durch die Bürger zu erteilen.

Guerilla Gardening in der Praxis

Ein sehr schönes Beispiel für Guerilla Gardening sind die Aktionen des Zürcher Kochs und Gärtners Maurice Maggi, der mit Malven und anderen heimischen Wildblumen städtische Brachflächen schmückt. Er selber nennt dies Blumengraffiti.

Weitere Guerilla-Gardening-Persönlichkeiten sind unter anderem der bereits eingangs erwähnte Brite Richard Reynolds, der Gartenkünstler Wilm Weppelmann aus Münster und der Berliner Petrus Akkordeon.

Ein Vorzeigeprojekt ist auch „Incredible Edible" der Stadt Todmorden in der englischen Grafschaft Yorkshire, das 2008 ins Leben gerufen wurde. Geleitet wird das Projekt von Pam Warhurst, die damit inzwischen internationalen Ruhm erlangt hat und auch Prinz Charles zu ihren Fans zählen darf. Laut einem Artikel des Independent kann die 62-jährige Pam Warhurst auf eine langjährige Erfahrung in Vorständen, Treuhandverwaltungen, Räten und Behörden zurückblicken und weiss deshalb, wie man es nicht machen soll. Sie sagt, am besten man tut es einfach und verzichtet ganz auf den bürokratischen Weg. Nur so könne man etwas bewegen und erreichen. Dank diesem Projekt dürfen die Bewohner der Stadt Todmorden an bestimmten Plätzen Früchte, Kräuter und Gemüse ernten und an einer ganzen Reihe Veranstaltungen teilnehmen. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass laut oben zitiertem Artikel die Zahl der Vandalismusdelikte in der Stadt seit dem Start des Projekts zurückgegangen sei.

Eines weiss ich sicher: Wenn ich das nächste Mal in der Gegend bin, werde ich diese Stadt bestimmt besuchen – ich bin schon ganz neugierig!


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Sehenswerte Videos

​GGTV Guerrilla Gardener Maurice Maggi in Zurich auf YouTube:

Teil 1

Teil 2


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Bauwerksbegrünung: Grüne Dächer und Häuser – die L...
 

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