Hanf: Eine bewegte Geschichte mit Happy-End?

Unterscheidung zwischen Industrie- oder Nutzhanf und Marihuana

Spricht man das Thema Hanf an, erntet man meistens diese typische Reaktion – deren Spektrum von einem leicht verlegenen Grinsen bis zu totaler Entrüstung reicht. Der Grund dafür ist wohl, dass auch heute noch Industrie- bzw. Nutzhanf meist mit dem oh so verrufenen Marihuana eng in Verbindung gebracht wird.

Die beiden sind jedoch nicht genau dasselbe. Und der Unterschied hängt offenbar nicht nur mit der Menge des psychoaktiven Cannabinoids Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) zusammen, das die Pflanzen enthalten. Laut einer Studie von PLOS ONE (Link see below) hat sich herausgestellt dass "the distinction between these populations is not limited to genes underlying THC production" [sich die Unterscheidung zwischen diesen Beständen nicht auf die Gene beschränkt, die der THC-Produktion zu Grunde liegen].

Es ist enorm wichtig, dass dies als anerkannte Tatsache in den Köpfen der Allgemeinheit Einzug findet, damit der Industriehanf das Territorium wieder zurückerobern kann, das er im letzten Jahrhundert aufgrund aggressiv gepushter Interessen anderer Industrien wie der Erdöl-, Papier- und Bekleidungsindustrie verloren hat.

Hanf gestern

Hanf wird vom Menschen schon seit Jahrtausenden genutzt; es lässt sich jedoch nicht sagen, wie weit zurück genau die erste Verwendung liegt. In China zum Beispiel sind die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von Hanf schon seit langem bekannt. In einem uralten Text beschreibt der Autor Hanf als Mittel gegen Malaria, Rheuma und viele andere Beschwerden.

Hanf wurde für die Herstellung von Stoff, Papier, Seilen, Waffen wie der Langbogen, Seife, Brennstoffe sowie als Nahrungs- (Samen, Öl) und Futtermittel verwendet. Die Gutenberg-Bibel (1455) und die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika (1776) wurden auf Hanfpapier gedruckt. Und in den Zeiten des Kolonialismus galt Hanf sogar fast überall in Amerika als gesetzliches Zahlungsmittel für Steuern.

Der Einzug von Sisal, der für deutsche Bauern einträglichere Tabakanbau am Anfang des 20. Jahrhunderts, das Aufkommen von aus Erdöl hergestellten Kunststoffen, die Erfindung der Kunstfaser und die Verteufelung von Marihuana: All dies hat dazu beigetragen, dass Hanf immer weniger verwendet wurde. Eine Ausnahme dabei bildete ein kurzes Revival während des Zweiten Weltkriegs, als die US-amerikanische Regierung auf den Anbau von Hanf durch die Bauern des Landes zur Produktion von Tauwerk und anderen Dingen angewiesen war. Die Regierung produzierte 1942 sogar einen Film mit dem Titel „Hemp for Victory" als Unterstützung für ihre Kampagne zur Ermutigung der Bauern.

Hanf heute

Die Verwendung von Industriehanf hat offenbar seit einigen Jahren wieder an Attraktivität zugenommen; in den meisten Gebieten steckt die Entwicklung jedoch noch in den Kinderschuhen. So wird zum Beispiel in der Autoindustrie Hanf für Türverkleidungen, Armaturenbretter und Sitzschalen verwendet. Die Vorteile von Hanf im Vergleich zu den herkömmlichen Materialien sind seine Stärke, sein leichtes Gewicht, die Robustheit und die Tatsache, dass Hanf biologisch abbaubar ist.

Auch Jeans und andere Kleidungsstücke werden heute aus Hanf hergestellt, was den klaren Vorteil hat, dass er im Gegensatz zur Baumwolle regional hergestellt werden kann. Im Vergleich zu Baumwolle hat Hanf auch weitaus bessere Anbaueigenschaften:

- er wächst schnell und deshalb braucht es keine Pestizide, um das Unkraut in Schach zu halten

- der Wasserverbrauch ist viel niedriger, da die Wurzeln der Pflanzen bis zu 140 cm in die Tiefe vordringen können (wodurch Hanf auch ideal ist für die Verbesserung der Bodenstruktur)

Ein weiterer Sektor, der von Hanf profitieren kann, ist die Bauindustrie. Hanfbeton – eine Mischung aus Hanf und Kalk – und Hanfziegel werden für den Bau und die Isolierung von Gebäuden in Grossbritannien, Frankreich und Spanien verwendet.

Und was den Bereich Ernährung betrifft, so werden Hanfsamen, Hanfsprossen, Hanfsamenöl und Hanfmehl als das neue Superfood angepriesen, das reich ist an Proteinen, Vitaminen und Omega-3- sowie Omega-6-Fettsäuren.

Hanf morgen

Du wachst auf in deinem Haus aus Hanfbeton, trinkst ein Glas Hanfmilch, wäschst dich unter der Dusche mit Hanfseife, steigst in deine Hanfjeans, trinkst Wasser aus einer Flasche aus Hanfbioplastik, steigst in dein mit Hanfkraftstoff angetriebenes Hanfauto und braust ab in eine rosige Hanfzukunft - nun, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben: Aber mehr Forschungs- und Entwicklungsbemühungen in diesem Sektor wären wünschenswert, davon könnten wir bestimmt nur profitieren!

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